
Die Ausstellung der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand vermittelt eine neue Sicht auf die lange Zeit umstrittene Widerstandsgruppierung. Der Historiker Dr. Hans Coppi, freier Mitarbeiter der Gedenkstätte, wird anhand der von ihm erarbeiteten Ausstellung die Entstehung, Wirkungsweise und Verfolgung der Roten Kapelle erläutern.
Herr Coppi hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen und Ausstellungen mit der Geschichte der "Roten Kapelle" beschäftigt. Er kam im November 1942 in einem Berliner Frauengefängnis zur Welt. Seine Eltern Hilde und Hans Coppi waren im September 1942 verhaftet worden. sein Vater wurde Ende 1942, seine Mutter im August 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Arbeiter, Angestellte, Intellektuelle, Künstler, Soldaten, Offiziere, Kommunisten, Sozialisten, Christen - Frauen und Männer unterschiedlicher sozialer Herkunft mit verschiedenen politischen und weltanschaulichen Ansichten fanden in sieben Berliner Widerstandskreisen zusammen. Ihr Widerstand gegen das Nazi-Regime äußerte sich in vielfältigen Formen. Neben der Diskussion politischer, philosophischer und künstlerischer Fragen halfen sie Verfolgten, dokumentieren NS-Gewaltverbrechen, riefen in Flugschriften zum Widerstand auf und verbreiteten Klebezettel gegen die antisowjetische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“. Es bestanden weit reichende Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen, Zwangsarbeitern und Vertretern der amerikanischen und sowjetischen Botschaft in Berlin. Anfang der vierziger Jahre entstand eines der größten Netzwerke des deutschen Widerstands.
Mehr als 150 Frauen und Männer gehörten den Berliner Widerstandskreisen an. Im Herbst 1942 verhaftete die Gestapo über 120 Verdächtige und ordnete sie dem Ermittlungs- und Verfolgungskomplex „Rote Kapelle“ zu. 92 der Verhafteten wurden vor dem Reichskriegsgericht und dem Volksgerichtshof angeklagt, 49 von ihnen hingerichtet, darunter 19 Frauen.