
Lausitzer Rundschau vom 17.01.2006
«Zwischen Himmel und Erde» bewegt sich die nächste Sonderausstellung im Brandenburgischen Textilmuseum Forst, die am Freitag eröffnet wird. Landschaftsbilder aus der DDR hängen bereits jetzt an den Wänden in der ersten Etage. Dicke, niedrige Litfass-Säulen bergen Dia-Präsentationen, in Plakat-Stelen laufen Bilder aus vier Jahrzehnten vom Video -Spieler. Ob laufendes oder stehendes Bild, ob gemalt oder fotografiert: Eines haben alle Präsentationsformen der Wanderausstellung gemein. Sie zeigen «Landschaftsbilder aus der DDR».
Der Fundus, auf den die Ausstellungsmacher zurückgreifen konnten, ist riesig: Mehr als die Hälfte der rund 1200 Gemälde, 9000 Druckgrafiken sowie 15 000 Zeichnungen und Aquarelle des Bestandes aus dem Kunstarchiv Beeskow zeigen Landschaften. Genauer gesagt: Landschaften «aus» der DDR. In dem Kunstarchiv Beeskow lagert seit 1994 die größte Sammlung der Kunstgegenstände von Parteien und Massenorganisationen der DDR. Vielleicht nicht die allerwichtigste Kunst, die haben sich vorher die ganz großen Museen gesichert. Aber ein Eindruck bleibt. Und politisch war Kunst immer. Selbst Landschaftsmalerei, so sehen es die Ausstellungsmacher, war auch in der DDR alles andere als politikfern. Ebenso, wie Kleingärtner eine Rolle in der Versorgungspolitik spielten.
Kleingartensparten, die aus dem Boden sprossen wie Sonnenblumenkeime, der Braunkohletagebau, Grenzstreifen und Übungsplätze – Landschaften sind politisch. Vor allem, wenn es Städte- oder Industrie-Landschaften sind. Düstere Fabriken stehen heiler LPG-Welt gegenüber, das kleinformatige Spreewald-Motiv in naiv anmutender Art auf der einen Seite, die großformatige Obstplantage verträumt auf der anderen Seite.
Die Ausstellung setzt nicht nur auf Malerei. Vor allem die Politik wird in Stelen erläutert, die mit Video-Geräten ausgerüstet sind. Wie aus einem kleinen Bauernhof im Oderbruch eine Agrarstadt werden soll, erklärt ein zeitgenössischer Film. Bodenreform, Waldsterben, staatlicher Wohnungsbau – Politik formte und formt die Landschaft. Landwirtschaftspolitik ist der Rest. Auf einer «Insel» ergänzen Ton-Dokumente die Themen. Auszüge aus dem Hörspiel «Die Brücke» von Inge und Heiner Müller, Brigitte Reimann, die aus «Franziska Linkerhand» liest, sind hörbare Ergänzung zum Visuellen.
Die Ausstellung gibt einen Überblick zu verschiedenen Stilen, Themen und Künstlern. 57 Werke der Malerei aus dem riesigen Beeskower Fundus werden in Forst zu sehen sein; auf die Ausstellung der 32 Druckgrafiken, die eigentlich mit zu der Wanderausstellung gehören, musste verzichtet werden – aus Platzmangel im Textilmuseum. Die für Sonderausstellungen vorgesehene erste Etage des alten Industriebaus an der Sorauer Straße ist eben keine weite Landschaft.