
Lausitzer Rundschau vom 11.03.2006
Das Brandenburgische Textilmuseum hat gestern die umfangreiche Sammlung des Forster Kunstmalers und Grafikers Willi Jennrich übertragen bekommen. Das hatte die Tochter Jennrichs, Eva Teschner, testamentarisch verfügt. Noch vor kurzem hatte sie einzelne Stücke der bis dahin zusammen gehaltenen Sammlung eher widerwillig zum Verkauf angeboten.
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Foto: Gerd Kundisch |
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Künstler-Umzug.
Museumsleiterin Michaela Zuber und Museums-Mitarbeiter Stefan Buss
haben gestern den Jennrich-Nachlass zur weiteren Erfassung ins
Textilmuseum gebracht.
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Eva Teschner hatte noch im Januar gehofft, dass es eine Ausstellung mit Werken ihres Vaters geben würde. Zwar fürchtete sie einerseits, dass die Sammlung auseinander gerissen wird, war andererseits aber auf eventuelle Einnahmen aus dem Verkauf angewiesen (die RUNDSCHAU berichtete).
Kurz danach starb Eva Teschner. In ihrem Testament verfügte sie unter anderem, dass die Arbeiten ihres Vaters an den Museumsverein Forst zu übergeben seien und zwar «mit der Auflage einer Dauerausstellung, damit sein Wirken nicht in Vergessenheit gerät» , erklärte der Nachlassverwalter.
Gestern wurde dem Museumsverein Forst die Sammlung mit Zeichnungen, Skizzen und weiteren Werken Jennrichs übergeben – in dem von Jennrich in Zusammenarbeit mit dem Forster Architekten Weichel 1936 erbauten und bezogenen Haus an der Forster Ziegelstraße. Museums-Leiterin Michaela Zuber und Museums-Mitarbeiter Stephan Buss sichteten die etwa 3000 Arbeiten, darunter Gemälde, Skizzen, Studienblätter, Holzstiche, Linolschnitte und Entwürfe, um sie mit weiteren Helfern in die Räume des Textilmuseums zu bringen.
Vereins-Geschäftsführerin Angela Maaß äußerte sich gestern froh, dass
die Jennrich-Sammlung zusammengehalten wird und dem Verein vermacht
wurde. Selbst wenn es noch einzelne Stücke in Privathand gebe, sei das
Fundament dafür gelegt, dass Jennrichs Werke ein Zuhause in Forst
hätten. Zunächst müssten die einzelnen Stücke aber erfasst, beschrieben
und katalogisiert werden, erklärte Angela Maaß auf Nachfrage. Das werde
nach bisherigen Erfahrungen voraussichtlich ein Jahr dauern, schätzt
sie. So lange habe man mit zwei Personen auch für die Aufarbeitung der
Flockenhaus-Sammlung gebraucht, die in etwa ähnlich groß sei wie der
gestern übergebene Jennrich-Nachlass von Eva Teschner. Erst nach dieser
Grundlagenarbeit werde man an die Gestaltung einer Ausstellung mit
Werken von Willi Jennrich denken können, erklärte die ehrenamtliche
Gesch äftsführerin des Museumsvereins zur weiteren Verfahrensweise.
Willi Jennrich wurde am 28. Februar 1901 geboren. Nach einer Malerlehre folgten Studien an Kunstschulen in Berlin und München. 1923 machte sich der Kunstmaler und Grafiker selbstständig. Für sein Plakat zur Deutschen Rosenschau wurde er ausgezeichnet und stellte seine Bilder, Aquarelle, Holz- und Linolschnitte unter anderem in Magdeburg, Berlin, Braunschweig, Wermelskirchen und Wuppertal aus. Bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht 1941 schuf er mehrere Wandmalereien in Kirchen und öffentlichen Gebäuden, darunter im Forster Krematorium. Seit Januar 1945 gilt er vermisst. Seit 1996 ist eine Forster Straße nach ihm benannt.