
Lausitzer Rundschau vom 12.02.2011:
Ein kleines Puzzlestück, welches hilft den Lebensweg des Forster Malers Willi Jennrich (1901
– 1945) zu beleuchten, ist dem Brandenburgischen Textilmuseum übergeben worden.
Dabei handelt es sich um Urkunden und Entwürfe aus dem Schaffen des
Malers.
Der Forster
Heimatforscher und Sammler Hartmut Ritschel hat sie in der vergangenen Woche dem
Museum als Schenkung übergeben. Er hat auch im Jahrbuch 2008 die Abhandlung
»Willi Jennrich - ein schaffensreiches, allzu kurzes Leben«
veröffentlicht.
Unter den abgegebenen Stücken befindet sich das Diplom
mit dem Prädikat »Leistungen gut« über seine Teilnahme am »Unterrichtskurs im
Malen und Zeichnen« der Berliner Mal- und Zeichen-Unterricht GmbH in der Zeit
von 1917 bis 1919. Es bescheinigte Willi Jennrich eine besonders ausgeprägte
Fähigkeit beim Entwerfen von dekorativen Mustern, Buchschmuck und
Plakaten.
»Bislang gingen wir davon aus, dass er diese Schule erst zu
einem späteren Zeitpunkt besuchte«, sagt Museumsleiterin Michaela Zuber. Auch
sein Briefkopfbogen vom Atelier in der damaligen Kottbuser Straße 14 (gegenüber
dem Kaufland), der Entwurf für eine Urkunde der »Ortsgruppe Forst im
Reichseinheits-Verband des deutschen Gastwirtsgewerbe« sowie ein Pergament mit
der Aufschrift »Trauzimmer Standesamt« befinden sich unter den Neuzugängen.
Ausgeführt wurde der letztere Entwurf im Mittelteil des »Jahnschen Schlosses«,
das am 25. Februar 1945 bis auf die Grundmauern niederbrannte. Heute erinnert an
den einstigen Standort nur noch die beinahe 300 Jahre alte Platane an der
Kirchstraße. Leider seien keine Fotos von dem Trauzimmer im alten Schloss
erhalten, sodass nicht mehr nachzuvollziehen sei, in welcher Technik der Entwurf
ausgeführt wurde, so Michaela Zuber.
Verschollene Kunst ist auch die
Ausführung für einen Innenentwurf, den Jennrich auf einem etwa DIN A 5 großen
Karton zeichnete. Es scheint sich dabei, um ein Auftragswerk für einen
öffentlichen repräsentativen Raum zu handeln. Wo es letztlich umgesetzt wurde,
entzieht sich auch der Kenntnis der Museumsmitarbeiter.
Gegenwärtig
werden bis zum 3. April im Textilmuseum rund 200 Werke des Forster Künstlers
gezeigt. Die neuen Ausstellungsstücke können bereits seit Ende dieser Woche in
den Vitrinen betrachtet werden.
Michaela Zuber mit dem Diplom aus dem Jahre 1919
und einem von Willi Jennrich gezeichneten Urkundenentwurf
Text und Foto: Angela Hanschke