Forster Notgeld
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Museumsverein der Stadt Forst (Lausitz) e.V.
Geschichts-Speicher

Thema ... als es in Forst nur noch Millionäre gab!
Zur Geschichte des Forster Notgeldes
(12 Bilder)
Autor Hagen Pusch
im Speicher seit: 18. April 2001

 
Bild 1 Bild 01:

Diese 50-Pfennig-Scheine gab es in unterschiedlichen Druckqualitäten. Alle hatten in geprägtes Wappen der Stadt Forst links unten auf dem Schein.

Bild 2

Bild 02:

Es wurde vom Forster Magistrat in Erwägung gezogen dieses Notgeld als Hartgeld in

Umlauf zu bringen. man nahm u.a. aber wegen der hohen Herstellungskosten davon Abstand. 

Bild 3 Bild 03:

Diese Notgeldscheine hatten, wie die 50-Pfennig-Scheine ein geprägtes Wappen, das Papier war aber zusätzlich noch mit Wasserzeichen versehen.

 

Bild 4 Bild 04:

Die am 1. Juni 1920 verausgabten Scheine trugen historische Motive der Stadt Forst.

Auf dem 25-Pfennig-Schein kann man folgenden Spruch lesen: Es gleicht die Tucheweberei recht einer alten Weide.- Sie blüh’n, ob einmal trocken auch, doch wieder alle beide! 

Bild 5 Bild 05:

Die von der Glogauer Druckerei Fleming & Wißkott hergestellte und vom Grafiker Heinz Schiestl entworfene Geldschein-Serie, deren Ausgabe für 1921 geplant war. 

Bild 6 Bild 06:

Neben der Forster Stadtverwaltung traten auch der Arbeitgeber-Verband der Textilindustrie Forst Lausitz e.V. und Forster Banken als Herausgeber von Notgeldscheinen in Aktion. 

Bild 7 Bild 07:

Die nun erscheinenden Notgelscheine haben weder ein Wasserzeichen, noch eine Prägung aufzuweisen. Sie sind auch nur einseitig bedruckt. Alles eine Kostenfrage! 

Bild 8 Bild 08:

Noch einmal wird die Druckerei Fleming & Wißkott aus Glogau für die Herstellung des 250.000-Mark-Gutscheines bemüht. Ausgabetag 11.August 1923 

Bild 9 Bild 09:

Weitere Notgeld-Ausgaben vom 17.August 1923

 

Bild 10 Bild 10:

"Wegen Papiergeldmangel wird gebeten, diesen Scheck in Zahlung zu nehmen." - Datiert am 14.November 1923, einen Tag später erfolgt reichsweit die Ausgabe der Rentenmark. 

Bild 11 Bild 11:

Die letzten Notgeldscheine, die in Forst verausgabt wurden. Diese Währung orientiert sich jetzt wieder am Goldpreis und somit auch am amerikanischen Dollar. 

Bild 12 Bild 12:

Mit einem Porto von 40 Milliarden Mark ging dieses Einschreiben von Forst nach München. 

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Bildnachweis:
Alle abgebildeten Notgeldscheine und Postbelege: Sammlung Hagen Pusch

Rund 80 Jahre ist es her, da wurde ganz Europa und insbesondere auch Deutschland, als der Verlierer des 1. Weltkrieges, von einer Geldentwertung "heimgesucht", die bislang einmalig in der Geschichte der Finanzpolitik ist. Die Inflation, beginnend im ersten Weltkrieg, durch die Abkopplung der europäischen Währungen vom Gold, und die weitere Verschärfung in den Nachkriegsjahren, führte ab dem Spätherbst 1922 zur sogenannten Hyperinflation.

Natürlich blieb auch unsere Heimatstadt Forst nicht von den Auswirkungen des 1. Weltkrieges und den inflationsfördernden Maßnahmen der jungen Weimarer Republik verschont. Schon 1917, also während des Weltkrieges, sah sich die Stadt Forst durch
"die steigenden Warenpreise und die
Erhöhung der Löhne, denen andererseits keine Vermehrung der umlaufenden Geldzeichen gegenüberstand, gezwungen, Kriegsnotpapiergeld auszugeben, um den Mangel an Zahlungsmitteln zu beheben. (Verwaltungsbericht der Stadt Forst)
So wurden bereits am 21. April 1917 50.000 Mark als Notgeld in Form von 50- Pfennig- Gutscheinen verausgabt. Sie waren bis zum 31.12.1918 gültig.[Bild 01]

Anfang 1918 gelangten 100.000 Stück 1- Pfennig- Scheine zur Ausgabe [Bild 02], die am 15. November von 5,-/10,-/20,- und 50,- Mark- Gutscheinen im Gesamtwert von 500.000 Mark ergänzt wurden. [Bild 03] Beide Notgeldausgaben erhielten durch die Hinterlegung von Kriegsanleihe bei der hiesigen Reichsbanknebenstelle ihre Deckung. Die Kosten, für die bei der Druckerei E. Hoene gedruckten Scheine, trug die Stadt selbst.

1919 wurde eine verhältnismäßig geringe Summe Notgeld verausgabt. Es gelangten 1- Pfennig und 50- Pfennig- Scheine im Gesamtwert von 20.500 Mark in Umlauf.

1920 und 1921 sollten zwei Notgeld- Serien in Umlauf gelangen, die durch Ihre Gestaltung auch heute noch vielen Forstern in Erinnerung sind. Gedruckt wurden diese mit Hilfe der Glogauer Druckerei Flemming & Wißkott, da die Firma E. Hoene nicht alles bewältigen konnte. Für Ihre Gestaltung zeichneten unter anderem Carl Behr, Robert Holtz (1920) und Heinz Schiestl (1921) verantwortlich. [Bild 04] und [Bild 05] Der Gesamtwert dieser in 10-/20-/25- und 50- Pfennigscheinen erschienen Serien belief sich auf rund 316.000 Mark. Andere Entwürfe zur Gestaltung dieser Notgeldschein-Serie stammten z.B. auch von den Forster Architekten Felix Müller und Walter Schwalbe, wurden aber nicht realisiert. Die amtliche Bekanntmachung zur Ausgabe der 1921-er Serie erfolgte am 23. September 1921 im Forster Tageblatt und am 24. September 1921 in der Lausitzer Volkszeitung. Die Lausitzer Volkszeitung verwies darauf, dass das neue Notgeld zwar künstlerisch sehr schön gestaltet sei, aber leider auf Grund der Regierungsverordnung nicht mehr in den Verkehr gebracht werden darf. So erklären sich auch Aussagen von Forster Bürgern, dass große Bestände dieser Scheine noch nach 1960 original verpackt auf einem Lagerboden entdeckt wurden. (Daher auch die gute bis sehr gute Erhaltung der Scheine dieser Serie)

In den ersten Jahren der Inflation konnten die Forster Bürger und vor allem auch die Tuchindustrie positive Bilanzen ziehen. Arbeit gab es in jeder Tuchfabrik - es mangelte teilweise sogar an "geübtem Fachpersonal". Die Tuche waren schon eher verkauft, als sie überhaupt den Webstuhl verlassen hatten. Es fehlte in Forst vor allem an Spinnereikapazitäten und so wurden in vielen Fabriken Überstunden gefahren und sogar zweischichtig gearbeitet. Das alles änderte sich fast schlagartig, als Ende 1922 die sogenannte Hyperinflation einsetzte. Kostete dem Fabrikanten der Kubikmeter Gas am 1. März 1922 noch 3,- Mark, so mußte er am 1.12. des gleichen Jahres bereits 110,- Mark bezahlen und ein dreiviertel Jahr später sogar 10.000.000,- Mark. Die dabei ständig zunehmende Diskrepanz zwischen Lohn und Lebenshaltungskosten führte bei der Bevölkerung zu einer weitgehenden Verarmung und es blieben Streiks und Unruhen nicht aus. (Siehe auch Scholze / Ihlo "Geschichte der Stadt Forst II) Um der anhaltenden Geldknappheit zu begegnen, reagiert die Stadt Forst am 6. Februar 1923 mit der Ausgabe von 10.000,- Mark- Gutscheinen, deren Stückzahl auf 50.000 begrenzt war. [Bild 06, oben] Weitere Notgeldscheine, die nun auch vom Arbeitgeberverband der Textilindustrie Forst (Lausitz) e.V. verausgabt wurden [Bild 06, unten], erscheinen am 27. Juli (250.000 Mark- Gutscheine), am 2. August (ebenfalls 250.000 Mark- Gutscheine), am 7. August (500.000 Mark- Gutscheine) und am 11. August ( ebenfalls 500.000 Mark- Gutscheine). Dabei lag deren Gültigkeit nur zwischen 20 und 81 Tagen. [Bild 07] Am 15. August erscheinen die ersten 1 Million- Mark- Gutscheine [Bild 08, Mitte], am 17. August gelangten weitere 50.000,- und 100.000,- Markscheine zur Ausgabe. [Bild 09] Da kostet aber 1 Liter Milch bereits 5,4 Millionen Mark und das Briefporto 2 Millionen Mark.

Zum Höhepunkt der Inflation wird noch am 24. Oktober 1923 ein 10 Milliarden Mark- Gutschein ausgegeben. [Bild 08, unten]

Parallel zu dieser galoppierenden Inflation erhöhte sich natürlich auch die die Zahl der Firmenpleiten und damit die Zahl der Arbeitslosen. Allein vom August 1923 bis Oktober 1923 verdreifachte sich die Arbeitslosenquote. Wer noch Arbeit hatte, bekam seinen Lohn nun täglich ausgezahlt. Vielfach warteten schon die Frauen oder Kinder an den Fabriktoren, um mit dem Geld so schnell wie möglich zum Kaufmann zu gelangen, bevor das Geld wieder an Wert verlor.

Immerhin mußten für ein 1- Pfund- Brot in Forst am 22. Oktober 1923 1,5 Milliarden Mark bezahlt werden.

Selbst durch den Druck der Notgeldscheine entstanden der Stadt Forst Kosten, die sie nicht mehr allein aufbringen konnte. So beteiligten sich 1923 auch die Tuchindustrie und die Banken an den Druckkosten,
"kam es doch vor, daß in Forst fast gar kein staatliches Geld mehr im Umlauf war."

(Verwaltungsbericht der Stadt Forst) Am 15. November 1923 wird durch die Ausgabe der sogenannten Rentenmark die Inflation beendet. Die vielen Millionen- und Milliarden- Scheine werden fast auf einen Schlag zu Makulatur und landen in der Papierpresse. Nur für eine kurze Übergangszeit zahlt man in beiden "Währungen".

Für 1 Billion Mark [Bild 10] gibt es 1 Rentenmark. Diese neue Währung orientiert sich nun wieder am Gold und wird als wertbeständiges Geld bezeichnet. Bereits am 1. November 1923 erscheinen für den Stadtkeis Forst fünf neue Notgeldscheine im Wert von 1 Pf., 5 Pf., 20 Pf, 70 Pf. und 1 Gold- Mark, um wiederum den Mangel an den nun neuen Zahlungsmitteln auszugleichen. Ihr Gesamtwert beträgt 450.000,00 Gold- bzw. Rentenmark. [Bild 11]

So notwendig der Schritt zur Währungsreform auch war, für den einzelnen Bürger war es fast unvorstellbar, erlebte er nun am eigenen Leibe was es bedeutet: Pleite, Armut und Verlust von Kapital und Erspartem. Zwar kostete das 1- Pfund- Brot nun "nur" noch 16 Goldpfennige und für 1 Pfund (500g) Roggenmehl zahlte man 18,5 Goldpfennige, doch die Arbeitslosigkeit verschärfte sich mit der Stabilisierung der Währung noch. Man stelle sich vor, von ca. 15.000 erwerbstätigen Einwohnern in Forst mußten ungefähr 12.000 die Erwerbslosenfürsorge in Anspruch nehmen.
"Die Zahl der Unterstützungsempfänger beschränkte sich dabei nicht nur auf Industriearbeiter und Handwerksgesellen, sondern auch auf selbstständige Handwerker, andere Gewerbetreibende, Kaufleute, höhere Angestellte, freie Berufe und Künstler." (Verwaltungsbericht der Stadt Forst)
So mußten auch die Notstandsspeisungen, die sonst nur an Sozial- und Kleinrentner erfolgten, auf bedürftige Erwerbslose erweitert werden. Waren es im Oktober 1923 noch rund 7.000 Portionen, die für Erwerbslose ausgegeben wurden, so erhöhte sich die Zahl bis Januar 1924 auf ca. 22.500 Portionen und erst ganz allmählich normalisierte sich das Leben wieder.

Hagen Pusch (1997 - 2001)

Literaturverzeichnis
Bericht über die Verwaltungs- und Gemeindeangelegenheiten der Stadt Forst, 1914 - 1924
Jakob, Wolfgang "Aus Mangel an Kleingeld: Forster Notgeld"
Scholze/Ihlo "Geschichte der Stadt Forst", Teil 2